Praktische Anwendung und Durchführung

Bodenart?

Beurteilung des Ackerbodens mit dem Ackerschätzungsrahmen

Die Beurteilung ist für die Nutzung, Bearbeitung und Pflege des Bodens notwendig, bei Pacht und Kauf kann sie ebenfalls eine Rolle spielen.

Nach dem amtlichen Verfahren der Bodenschätzung erhält jede landwirtschaftlich genutzte Fläche eine Wertzahl:

die Bodenzahl und dann die Ackerzahl. Die besten Böden haben die Zahl 100. Böden mit einer Zahl um 20 sind es kaum noch wert, landwirtschaftlichen genutzt zu werden.

Um die Bodenzahl für einen bestimmten Boden aus dem amtlichen Ackerschätzungsrahmen abzulesen, sind vorher an Ort und Stelle genaue Feststellungen notwendig. Dazu muss der Boden mindestens 50 cm aufgegraben werden, wenn dies nicht durch Gestein o.ä. verhindert wird. 

Die notwendigen Feststellung werden in folgenden Reihenfolge vorgenommen:

Beurteilung des Bodens nach seiner Zusammensetzung ( = Bodenart)
Beurteilung des Bodens nach der sogenannten Zustandsstufe
Beurteilung des Bodens nach seiner Entstehung.

I. Zusammensetzung des Bodens = Bodenart 

Berücksichtigt werden hier in erster Linie die aus Gestein entstandenen mineralischen Bestandteile des Bodens: Sand und Ton. 

Vorgehensweise: 

Ist es nach der Fingerprobe ein leichter, mittlerer oder schwerer Boden?

leicht : stark körnig. Ohne Bindigkeit, auch wenn man ihn anfeuchtet.
schwer: feuchter Boden, bei längerem Reiben nur wenig körnig. Glitschig.

Bei den „leichten“ Böden ist zwischen reinem Sand (S) anlehmigen Sand (Sl) und lehmigen Sand (lS) zu unterscheiden.

Die „mittleren“ Böden können in stark sandiger Lehm (SL oder stark lehmiger Sand), sandiger Lehm (sL) oder reiner Lehm (L) unterteilt werden.

Bei den schweren Böden ist zwischen schwerem Lehm (LT) und Ton (T) zu differenzieren.

II. Die Zustandsstufe des Bodens 

Zustandsstufe 1 ist die beste, 7 die schlechteste Zustandsstufe.

Wie ist der Humusgehalt der Ackerkrume?

Wie tief ist die Ackerkrume?

Wie mächtig ist der Boden (von der Oberfläche bis zu der Schicht, die von Pflanzenwurzeln nicht mehr durchdrungen wird)?

III. Entstehung des Bodens 

Verwitterungsboden: Boden ist durch das anstehende Gestein sehr stark geprägt (V). Bei hohem Steinanteil lautet die Abkürzung (Vg).

Schwemmlandboden:

Boden ist an einer anderen Stelle entstanden und an seinem jetzigen Lagerungsort durch Wasser gebracht und sortiert worden. Die Ablagerung ist oft sehr tief, grobe und feine Bestandteile treten häufig schichtweise auf, Steine sind meist abgerundet. Diese Ablagerungen stammen aus der jüngeren Erdgeschichte und finden sich in Bach- und Flusstälern oder am Fuß eines Hanges. Die Abkürzung lautet Al (Alluvium).

Bei älteren Ablagerungen aus der Eiszeit wird die Abkürzung D (Diluvium) verwendet. Diese Böden finden sich eher auf Höhenzügen, in der Nähe befinden sich Sand-, Kies- und Tongruben.

Lößboden: Dieser Boden ist durch Wind angeweht worden. Er bestand ursprünglich aus feinstem Sand, der im Unterschied zum Quarzsand weiter verwittern kann. Löß wird dann zu Lößlehm. Die Abkürzung lautet Lö.

IV. Ergebnis einer Bodenschätzung: 

Bodenart, Zustandsstufe, Entstehung = Bodenzahl nach Ackerschätzungsrahmen. 

Aus der Bodenzahl wird die Ackerzahl errechnet, indem Abschläge (evtl. auch Zuschläge) getätigt werden:

Hängigkeit des Geländes

Ungünstige klimatische Verhältnisse (Höhenlage, Menge und Verteilung der Niederschläge, zu wenig Wärme)

Sonstiges

   

Beurteilung des Grünlandes mit dem Grünlandschätzungsrahmen

 

Die Haupteinteilung des Grünlandes findet ebenfalls nach der Bodenart statt. Die Bodenartengruppen wurden jedoch auf 5 reduziert, wobei eine mineralische Bodenartengruppe zwei benachbarte Bodenarten aus dem Ackerschätzungsrahmen umfasst (z.B. S = S und Sl).

Die Bodenstufen stellen ebenfalls eine Zusammenfassung der Zustandsstufen des Ackerschätzungsrahmens dar. Die Stufe I entspricht der Zustandsstufe 2 und 3, die Stufe II den Zustandsstufen 4 und 5, die Stufe III den Zustandsstufen 6 und 7.

Die weitere Gliederung des Grünlandschätzungsrahmens wird auf Grund der Wasserverhältnisse getroffen. Hier sind 5 Stufen vorgesehen, wobei die Stufe 1 eine frische, gesunde Lage mit gutem Süßgräserbestand meint, während eine Stufe 5 ausgesprochen nasse bis sumpfige Lagen mit stauender Nässe, bzw. sehr trockene, dürre Lagen mit wenig guten Gräsern beschreibt.

Die Klimaeinteilung beruht auf den Daten des deutschen Wetterdienstes für die entsprechenden Gegenden. Der Grünlandschätzungsrahmen sieht drei Klimastufen vor.

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